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Geschichte in Österreich

Erste urkundliche Erwähnung des Siechenhauses „von Sand Lazares“ in Wien (1257) zeigt das Siegel mit der Umschrift „S. DOMUVS. SCTI. LAZARI. LEPROSORV. WIENN“, das Motiv zeigt die Erweckung des Heiligen Lazarus durch den Herrn
Das Ordensspital an der Landstrasse wird wegen der dem Hl. Markus geweihten Spitalskirche ab dem 15 Jh. als Spital zu „St. Marx“ benannt. Stich von Saloman Kleiner um 1724
Henri d'Artois, Herzog von Bordeaux und Graf von Chambord, letzter königlicher Protektor des Lazarus-Ordens stirbt 1883 in seinem Exil in Österreich
Erzherzog Leopold Salvator von Österreich-Toskana
Seine Heiligkeit Papst Johannes Paul II. mit Ordenskaplan Józef Gorzelany (mitte), sowie dem ehem. Statthalter im Großpriorat von Österreich Oberst Prof. Dr. hc. Franz Josef Federsel (rechts)

Vom Mittelalter bis in die Zeit Joseph II.

Die Idee von Hospizen und Hospitälern war im ausgehenden 12. Jahrhundert mit heimkehrenden Kreuzfahrern aus dem Orient nach Europa gekommen. Der damit einhergehende hospitalische Auftrag etablierte sich schon bald in der Ausrichtung verschiedener Ritterorden.
So waren in Österreich spätestens seit dem Jahr 1257 Ritter des Lazarus-Ordens in ihren hospitalischen Einrichtungen gemäß ihrem Auftrag für Aussätzige tätig.

 

Mit dem Sundersiechenhaus zu Sankt Lazar („Sand Lazares“) ist der Lazarus-Orden und dessen erste Einrichtung für Aussätzige ab dem Jahr 1257 urkundlich evident. Das Hospital liegt vor den östlichen Toren Wiens und erhält im Jahr 1370 eine Spitalskapelle, die dem Heiligen Markus geweiht wird. Ab 1394 wird die Anlage erstmals auch als "Bürgerspital zu Sankt Marks" benannt und wird somit namensgebend für den später dort entstehenden Wiener Vorort und heutigen Stadtteil St. Marx.
Schon im Jahr 1267, ein Jahrzehnt nach dem Sundersiechenhaus zu Sankt Lazar, wird das "Siechenhaus zum guten Sankt Hiob am Klagpaum" auf der Wieden gegründet. Auch dieses Hospiz liegt vor den Mauern Wiens an der südlichen Ausfallsroute und ist für „Hiobskranke“, wie Aussätzige noch benannt werden, gedacht.
Ebenfalls am Ende des 13. Jahrhunderts erfolgt die Gründung des Siechenhauses von Sankt Johann in Siechenals, das am Alsbach gelegen den dritten Standort des Lazarus-Ordens in Wien darstellt.
Der Orden verfügte in unmittelbarer Nähe seines Hospitals in Sankt Lazar an der "Landstraße" über ausgedehnte Besitzungen in Form von Äckern und Weingärten.

 

Der Lazarus-Orden besaß somit ab dem 13. Jahrhundert und bis in das ausgehende 16. Jahrhundert einen ausgedehnten Wirkungskreis. Kaiser Ferdinand I. stattet das Spital zu Sankt Lazar mit diversen Privilegien wie Tafernrecht und Umgeldbefreiung aus.
Als zu Beginn des 17. Jahrhunderts Aussatz soweit zurückgedrängt ist, dass die Krankheit gleichsam als erloschen gilt, werden die Siechenhäuser des Ordens für andere Kranke und Arme geöffnet.
Im Rahmen der ersten und zweiten Wiener Türkenbelagerung, werden sämtliche Gebäude der Ordenseinrichtungen zerstört. Dennoch wurden die drei Spitäler mit den dazugehörigen Kirchen jedes Mal erneut wiedererrichtet, was ihre Bedeutung als Institution hervorhebt.

 

In schon deutlich eingeschränktem Ausmaß reichte das Wirken des Lazarus-Ordens noch bis an das Ende des 18. Jahrhunderts heran.
In der Zeit Kaiser Joseph II. fand der Lazarus-Orden in Österreich schließlich sein vorläufiges Ende.
Im Zuge der weitreichenden Josephinischen Reformen wurde 1785 auf kaiserlichen Erlass auch der Orden aufgehoben – sämtliche Besitztümer wurden eingezogen.
Die ordenseigenen Hospitäler "Am Klagpaum", bei St. Lazar an der Landstraße und St. Johann in Siechenals wurden geschlossen. Letztgenannter Standort wurde in das neu errichtete Allgemeine Krankenhaus eingegliedert. Das Bürgerspital zu St. Marks, wie das Hospital zu St. Lazar an der Landstraße nur mehr genannt wird, erhält ebenfalls eine neue Nutzung und besteht als St. Marxer Versorgungshaus noch bis ins Jahr 1861 fort.

französische Revolution und die napoleonschen Ära

Obgleich in den Jahrzehnten nach dem Tod Kaiser Josef II. fortwährend Ordensritter in Österreich ansässig waren, verfügte der Lazarus-Orden hierzulande über keine institutionelle Organisation und über keine Niederlassung mehr. Die teilweise Rücknahme der josephinischen Reformen hatte keinerlei Auswirkung mehr auf den Orden.

Schon bald, in Folge der französischen Revolution von 1789, fanden auch Teile des französischen Adels und damit zahlreich französische Ritter des Ordens ihr Exil in Österreich.
Darunter Persönlichkeiten wie Anne-Alexandre de Montmorency-Laval, Herzog von Laval, Graf Roger von Damas d’Antigny und andere – sie kämpften schon bald auf Seiten der kaiserlichen Armee im Emmigrantenkorps des Fürsten von Condé gegen das revolutionäre Frankreich.
Andere Ordensritter wie Fürst Charles Alain von Rohan, Fürst von Montbazon, treten als Militärs in die österreichische Armee ein und lassen sich nach der napoleonischen Ära beständig im Kaisertum Österreich nieder.
Die meisten unter ihnen jedoch blieben nicht dauerhaft sondern kehrten mit der Restauration nach Frankreich zurück, wo der Orden auch weiterhin unter dem Protektorat der Krone besteht.

Der königliche Protektor geht ins österreichische Exil

Im Zuge der französischen Julirevolution von 1830 dankt Henri d’Artois, der als Heinrich V. lediglich acht Tage lang ungekrönter französischer König ist, ab. Er war Karl X. nachgefolgt und ist damit der letzte erbliche Protektor des Lazarus-Ordens aus dem französischen Königshaus, der offiziell diesen Titel trägt.

Henri d'Artois, Herzog von Bordeaux und Graf von Chambord, findet sein Exil schliesslich in Österreich, wo er fortan auf Schloss Frohsdorf nahe Wiener Neustadt residiert. Er heiratet 1846 Maria-Theresia von Österreich-Este. Als Henri d’Artois 1883 ohne Nachkommen verstirbt, erlischt mit ihm auch die ältere Linie der Bourbonen – und damit das erbliche Protektorat der französischen Könige über den Lazarus-Orden, das seit 1308 bestanden hatte.
Der Anspruch auf den französischen Thron geht auf den spanischen Zweig der Bourbonen über und wird von Infant Carlos María de Borbón, Herzog von Madrid, wahrgenommen – und damit die Linie der carlistischen Prätendenten begründet.
Infant Carlos María de Borbón hatte 1867, ebenfalls auf Schloss Frohsdorf, mit Prinzessin Margarethe Maria von Bourbon-Parma die Nichte von Henri d’Artois geheiratet. Aus ihrer Ehe geht als älteste Tochter Blanca de Castilla de Borbon hervor, die 1889 ebenso auf Schloss Frohsdorf S.K.u.K.H. Erzherzog Leopold Salvator von Österreich-Toskana ehelicht.

Erzherzog Leopold Salvator, Generaloberst der k.u.k. Armee und Generalinspekteur der k.u.k. Artillerie, verlässt mit dem Ende des Ersten Weltkriegs Österreich und geht nach Spanien ins Exil.
Im carlistischen Kreis, der von seinem Schwager Don Jaime de Borbón y Borbón–Parma als Prätendent auf den französischen Thron angeführt wird, findet Leopold Salvator zum Lazarus-Orden und erhält seine Investitur als Großkreuzritter des Lazarus-Ordens.

Mit seiner Rückkehr aus dem Exil im spanischen Barcelona im Jahre 1930, findet der Lazarus-Orden in S.K.u.K.H. Erzherzog Leopold Salvator von Österreich-Toskana, erstmals eine Persönlichkeit, die den Gedanken der institutionellen Wiedererrichtung einer Österreichischen Ordensjurisdiktion erwägt.
Als Erzherzog Leopold Salvator im September 1931 unerwartet verstirbt, findet auch der Gedanke einer Reaktivierung des Lazarus-Ordens in Österreich sein Ende.

Die Wiedererrichtung des Großpriorates von Österreich

Nach der Zäsur durch Nationalsozialismus und Zweiten Weltkrieg, erfuhr der Orden mit Ende der 1950er-Jahre beginnend, eine Periode zunehmender Prosperität.
In den späten 1960er-Jahren war der Lazarus-Orden in Österreich soweit gewachsen, dass die Idee der Wiedergründung einer österreichischen Ordensjurisdiktion abermals erwogen wurde.
Schließlich erfolgt im Jahr 1968 mit der Gründung des Großpriorates von Österreich die Wiedererrichtung einer österreichischen Jurisdiktion des Lazarus-Ordens durch das Großmagisterium unter dem XLVI. Großmeister Charles-Philippe d‘Orléans, Herzog von Vendôme, Alençon und Nemours.
Damit schloss man in der Nachfolge an jene Ordensniederlassung an, die von 1257 bis 1785 in Österreich bestanden hatte.
S.K.u.K.H. Erzherzog Leopold von Österreich, Erbgroßherzog der Toskana wird als Großprior von Österreich eingesetzt.
In den folgenden Jahren gelingt es dem Orden sein Wirken im karitativen Bereich entscheidend voranzubringen und seine hospitalische Ausrichtung im Sinne der christlichen Nächstenliebe umfassend zu leben. Neben zahlreichen Einzelinitiativen wird unter anderem auch das Lazarus-Hilfswerk als erstes Hilfswerk des Großpriorates von Österreich gegründet.
Ein weiteres deklariertes Ziel der damaligen Ordensleitung unter S.K.u.K.H. Erzherzog Leopold war es den Lazarus-Orden kirchlich und staatlich in einer angemessenen Rechtsform zu verankern.
Dieses Anliegen wurde vor allem durch den Statthalter S.E. Edmund Freiherr von Hammer-Nemesbány über die Jahre beständig vorangetrieben und wurde durch S.K.u.K.H. Erzherzog Otto, wie auch die höchsten kirchlichen Würdenträger des Ordens bedeutsam unterstützt.

Die kirchliche Anerkennung als Pia Unio

So erfolgte als finaler Schritt im Jahr 1977 die kirchliche Anerkennung des Großpriorates von Österreich in der Rechtsform einer „Pia Unio“ nach dem Codex Iuris Canonici.
Im April 1976 befasste sich schließlich die Österreichische Bischofskonferenz mit der Frage der zukünftigen Rechtsform des Lazarus-Ordens.
Auf Basis des entsprechenden Beschlusses der Bischofskonferenz vom 6.–8. April 1976, errichtete Seine Eminenz Franz Kardinal König, per Dekret vom 15. Dezember 1977 (Z.1202-77), den Orden der Ritter des Heiligen Lazarus zu Jerusalem – Großpriorat von Österreich, oder kurz Lazarus-Orden, in der Rechtsform einer Pia Unio nach kanonischen Recht (can 708 CIC / 1917).
Mit diesem Rechtsakt wurde dem Großpriorat von Österreich Rechtspersönlichkeit für den kirchlichen Bereich verliehen.
Auf Grund des Konkordats von 1933 Art. II. folgte die Rechtspersönlichkeit für den staatlichen Bereich mit 21. Juli 1980.

 

Das Großpriorat von Österreich existiert seither als kirchlich wie staatlich anerkannter Orden und untersteht der Jurisdiktion der Österreichischen Bischofskonferenz.
Obwohl der Lazarus-Orden kein Ritterorden päpstlichen Statuts ist, besteht der Orden im Großpriorat von Österreich als institutioneller Teil der kirchlichen Laienhierarchie.
Die Führung des Großpriorates ist infolgedessen der Österreichischen Bischofskonferenz und dem Codex Iuris Canonici verpflichtet, auf dem sein kanonisches Statut als Pia Unio beruht. Aufgrund dieses Rechtsstatus ist der Orden seit 1977 ein exemptes Großpriorat und de jure unabhängig.
Dennoch steht das Großpriorat von Österreich – so kein Widerspruch zum kanonischen Statut entsteht – besonders für caritative und spirituelle Initiativen in engster Kooperation mit dem Militärischen und Hospitalischen Orden des Heiligen Lazarus von Jerusalem (legitimer Orden unter dem spirituellen Protektorat des unierten melkitisch griechisch-katholischen Patriarchen S.S. Gregorius III. Laham und dem XLIX. Großmeister S.E. Don Carlos Geréda y de Borbón, Marquis de Almazan) und stellt dessen österreichische Jursidiktion dar.
Kooperation mit diversen illegitimen „Lazarus“-Gruppen, -Vereinen und ähnlichen selbstgegründeten Konstellationen erfolgen naturgemäß nicht.

Der Weg ins neue Jahrtausend

In den vergangenen Jahrzehnten konnte das Großpriorat von Österreich seinem hospitalischen Auftrag in zahlreichen caritativen Aktivitäten und Initiativen entsprechen.

 

Seit dem Jahr 1967 existiert die St. Lazarus Station im Haus der Barmherzigkeit – diese war die erste Initiative des Großpriorates von Österreich. Die Betreuung alter und demenzkranker Menschen wurde seither zu einem der wichtigsten Aufgaben im hospitalischen Wirken des Großpriorats von Österreich, dessen Angehörige bis heute ehrenamtliche Pflege- und Betreuungsdienste für die Bewohner im Haus der Barmherzigkeit leisten. Im Jahr 1990 wird das Lazarus-Altenhilfswerk ins Leben gerufen, das seither als dem Großpriorat angeschlossene Organisation mit Schwerpunkt in der Steiermark tätig ist.
Auch wenn die Altenbetreuung den deklarierten Schwerpunkt des hospitalischen Auftrags in Österreich darstellt, so waren stets auch andere soziale Brennpunkte Gegenstand des Wirkens – wie die Betreuung Jugendlicher in der Jugendstrafanstalt Gerasdorf.

 

In den Jahren 1991 bis 1995 wurde das St. Lazarus Hospiz für im polnischen Nowa Huta erreichtet. Die Errichtung dieses Sterbehospitzes für unheilbar Krebskranke entstand auf Initiative und unter Federführung von S.E. Oberst Prof. Dr.hc. Franz Josef Federsel, dem seinerzeitigen Referendar und späteren Statthalter des Großpriorates von Österreich. Der Bau, für den 4.000.000 USD vom internationalen Lazarus-Orden zur Verfügung gestellt wurden, fand das besondere Wohlwollen Seiner Heiligkeit Papst Johannes Paul II., der sich vom österreichischen Statthalter regelmäßig über den Fortschritt berichten ließ. Als am 14.12.1995 die Einweihung des Hospizes erfolgte war damit ein vielbeachtetes Projekt im Sinne der Caritas gelungen, das weithin Anerkennung fand.
Daneben ist das Großpriorat von Österreich auch in zahlreichen nationalen wie internationalen Projekten unterschiedlicher Größenordnung caritativ tätig.
Im Sinne der gelebten christlichen Nächstenliebe liegt die Ausrichtung dabei stets in der Hilfe für die Armen und Schwachen. Auch die moderne Erfolgs- und Leistungsgesellschaft hat ihre Ausgestossenenen und besonders benachteiligten Menschen – sie können getrost als die „neuen Aussätzigen“ bezeichnet werden. Ihnen hat unsere Hilfe zu gelten.

 

Zur Setzung spiritueller Schwerpunkte finden regelmäßig Ordensmessen und Andachten, sowie Ordenswallfahrten in das Heilige Land und nach Santiago de Compostella statt.